Glossar zu Antirassismus und ethnisch-rassistischer Diskriminierung

Dieses Glossar zu Antirassismus und rassistischer Diskriminierung wurde in Zusammenarbeit mit mehreren in diesem Bereich in Luxemburg aktiven Organisationen erstellt, darunter Ally Book Club, Lëtz Rise Up, One People und Roms sans Frontière. Die erste Ausgabe des Glossars wurde im Jahr 2024 veröffentlicht. Die vorliegende überarbeitete Ausgabe wurde 2026 vom Ministerium für Familie, Solidarität, Zusammenleben und Aufnahme (Ministère de la Famille, des Solidarités, du Vivre ensemble et de l’Accueil) aktualisiert. Es wurden offizielle Definitionen herangezogen, insbesondere jene, die in der luxemburgischen Gesetzgebung sowie in den rechtlichen und politischen Rahmenwerken der Vereinten Nationen, des Europarats und der Europäischen Union enthalten sind. Für Begriffe, die in der nationalen, europäischen oder internationalen Gesetzgebung nicht definiert sind, wie etwa soziologische oder psychologische Konzepte, wurden Fachleute der jeweiligen Bereiche sowie Personen konsultiert, die sich aktiv gegen Rassismus engagieren.

 

Afrophobie

oder antischwarzer Rassismus ist eine Form des Rassismus, die sich gegen Menschen afrikanischer Herkunft und Schwarze Menschen richtet. Sie äußert sich in direkter, indirekter und institutioneller Diskriminierung sowie in Gewalt, einschließlich Hassrede. Sie beruht auf gesellschaftlich konstruierten Vorstellungen von „Rasse“ und spiegelt den unbegründeten Glauben wider, dass bestimmte „rassische“ Gruppen anderen überlegen oder unterlegen seien.[i]

 

[i] Council of Europe Parliamentary Assembly Resolution 2389 (2021) on Combating Afrophobia, or anti-Black racism, in Europe (2021) of 24 June 2021, 1. Punkt.

Weiße Verbündete

sind weiße Menschen, die verstehen, dass es möglich ist, ihre Privilegien zu nutzen, um fairere Systeme zu schaffen.[i]

 

[i] Tatum B. D. (2007). Can we talk about race? And other conversations in an era of school resegregation. Boston, MA: Beacon Press, S.37.

Antirassismus

umfasst die Grundsätze, Haltungen und Maßnahmen, die darauf abzielen, Rassismus aktiv zu bekämpfen und die Gleichberechtigung aller Menschen zu fördern. Es ist ein fortlaufender Prozess, der unsere eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen hinterfragt und gleichzeitig darauf abzielt, rassistische Ideen und Politiken zu beseitigen, uns der mit der Hautfarbe verbundenen Vorurteile und Privilegien bewusst zu werden und daran zu arbeiten, rassistische Ungleichheiten zu beseitigen. Dazu gehört auch, sich an unangenehmen Gesprächen über Rassismus zu beteiligen und antirassistische Bewegungen und Initiativen zu unterstützen.[i]

 

[i] Kendi, I. X. (2019) How to Be an Antiracist. One World.

Antisemitismus

ist jede Form von Vorurteil, Hass oder Diskriminierung gegenüber Juden als ethnische oder religiöse Gruppe.[i]

 

[i]   Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 15 der ECRI über die Bekämpfung von Hassrede, verabschiedet am 8. Dezember 2015, § 7 (d)

Antiziganismus

bezeichnet Rassismus, der sich gegen Roma beziehungsweise gegen als „Zigeuner“ bezeichnete oder wahrgenommene Personen richtet[i].

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 15 der ECRI über die Bekämpfung von Hassrede, verabschiedet am 8. Dezember 2015, §7 (c).

Banalisierung

bedeutet, etwas als nebensächlich oder unwichtig darzustellen.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 15 der ECRI über die Bekämpfung von Hassrede, verabschiedet am 8. Dezember 2015, § 7 (dd).

„Weißsein“ (whiteness)

ist ein sozial konstruiertes Konzept, das als die normale und zentrale ethnische Identität gilt.[i] Es dient als Standard, an dem ethnische Minderheiten gemessen werden.[ii]

 

[i] Du Bois, W. E. B. (1935). Black Reconstruction in America, 1860–1880

[ii] Green, M. J., Sonn, C. C., & Matsebula, J. (2007). Reviewing whiteness: Theory, research, and possibilities. South African Journal of Psychology, 37(3), 389-419; et Gillborn D. (2015). Intersectionality, Critical Race Theory, and the primacy of racism: Race, class, gender, and disability in education. Qualitative Inquiry, 21(3), S. 277-287

Bystander oder Zuschauer

Ein Bystander oder Zuschauer im Zusammenhang mit Rassismus ist eine Person, die Zeuge eines rassistischen Vorfalls wird.[i]

 

[i] Australian Human Rights Commission (2021). Guide to addressing spectator racism in sports (2021).

Bystander-Effekt oder die Bystander-Apathie

Der Bystander-Effekt oder die Bystander-Apathie ist eine Theorie der Sozialpsychologie, nach der Menschen in Anwesenheit anderer Personen weniger geneigt sind, einem Opfer Hilfe anzubieten.[i]

 

[i] Darley, J. M., & Latane, B. (1968). Bystander intervention in emergencies: Diffusion of responsibility. Journal of Personality and Social Psychology, 8(4, Pt.1), S. 377–383. https://doi.org/10.1037/h0025589

Antirassismus durch Zuschauer, Intervention von Zuschauern oder Handeln von Zuschauern

sind Maßnahmen, die von Zuschauern oder anderen Personen als Reaktion auf rassistische Vorfälle im zwischenmenschlichen Bereich ergriffen werden.[i]

 

[i] Australian Human Rights Commission (2021). Guide to addressing spectator racism in sports (2021).

Diskriminierung von Muslimen

betrachtet unter dem Gesichtspunkt der „Rassifizierung“ (auch Rassisierung oder Rassialisierung), äußert sich durch verschiedene Unterscheidungsmerkmale wie Religion sowie ethnische oder nationale Herkunft. Die muslimische Identität – sei sie nun tatsächlich gegeben oder nur wahrgenommen – kann zu einer „Rassisierung“ führen, die auf dem äußeren Erscheinungsbild sowie auf religiösen oder kulturellen Merkmalen beruht.[i]

 

[i]  Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI). Allgemeine Politikempfehlung Nr. 5 der ECRI (überarbeitet) zur Verhinderung und Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus und antimuslimischer Diskriminierung, verabschiedet am 8. Dezember 2021, § 7.

Direkte Diskriminierung

Unter direkter Diskriminierung versteht man die unfairere Behandlung von Personen aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder aufgrund ihrer Hautfarbe im Vergleich zu anderen Personen, ohne dass hierfür eine objektive und angemessene Rechtfertigung vorliegt. Mobbing (aufgrund der ethnischen Herkunft) gilt als eine Form der direkten (rassistischen) Diskriminierung.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 7 der ECRI über nationale Gesetzgebung zur Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung, verabschiedet am 13. Dezember 2002 und geändert am 7. Dezember 2017, § 1; Richtlinie 2000/43/EG, Loi du 28 novembre 2006, Code du Travail (Pdf) (Art. L. 251-1 et Chapitre VI.-Harcèlement moral), und Code Pénal (Art. 454)

Indirekte Diskriminierung

Eine indirekte Diskriminierung liegt vor, wenn eine scheinbar neutrale Bedingung, Kriterium oder Praxis dazu führen kann, dass Personen aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder aufgrund ihrer Hautfarbe im Vergleich zu anderen Personen in besonderer Weise benachteiligt werden, ohne dass hierfür eine objektive und angemessene Rechtfertigung vorliegt.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 7 der ECRI über nationale Gesetzgebung zur Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung, verabschiedet am 13. Dezember 2002 und geändert am 7. Dezember 2017, § 1; Richtlinie 2000/43/EG, Loi du 28 novembre 2006, Code du Travail (Pdf) (Art. L. 251-1 et Chapitre VI.-Harcèlement moral), und Code Pénal (Art. 454)

Rassistische Diskriminierung

ist jede Unterscheidung, Ausgrenzung, Einschränkung oder Bevorzugung aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder Hautfarbe, die zum Ziel oder zur Folge hat, die Anerkennung, den Genuss oder die Ausübung der Menschenrechte und Grundfreiheiten in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Soziales und Kultur oder in jedem anderen Bereich des öffentlichen Lebens unter gleichen Bedingungen zu zerstören oder zu beeinträchtigen.[i] Das luxemburgische Recht unterscheidet zwischen direkter und indirekter Diskriminierung, und diese Definitionen sind ebenfalls in diesem Glossar enthalten.

 

[i] Das Internationale Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (ICERD) (1965) ratifiziert von Luxemburg [Loi du 1er décembre 1977]  Artikel 1.

Strukturelle Diskriminierung

liegt vor, wenn die Regeln, Normen, Verfahren, Vorgehensweisen und üblichen Verhaltensweisen von Institutionen und anderen gesellschaftlichen Strukturen – bewusst oder unbewusst – bestimmte Personengruppen daran hindern, gleiche Rechte und Chancen zu erlangen, und zwar aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. Diese Situation benachteiligt sie letztlich gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politikempfehlung Nr. 2 der ECRI: Gleichheitsstellen zur Bekämpfung von Rassismus und Intoleranz auf nationaler Ebene, verabschiedet am 7. Dezember 2017, Begründungstext §4, S. 13.

Ethnizität

beruht auf einem gemeinsamen Verständnis der Geschichte und der territorialen (regionalen und nationalen) Herkunft einer Gruppe oder Gemeinschaft sowie auf besonderen kulturellen Merkmalen wie Sprache und/oder Religion. Ethnizität ist vielschichtig und eher ein Prozess als ein statisches Konzept; daher sollte die ethnische Klassifizierung mit flexiblen Grenzen behandelt werden.[i]

 

[i] United Nations (2008) Department of Economic and Social Affairs. Statistics Division Principles and Recommendations for Population and Housing Censuses. Revision 2 (Series M No. 67/Rev.2), S. 139

Eurozentrismus

ist eine Weltanschauung, die durch die Dominanz des westlichen Kapitalismus geprägt ist und behauptet, dass die westliche bzw. europäische Kultur den anderen Kulturen überlegen sei (einzigartig und fortschrittlicher). Eurozentrische Deutungen der Welt haben eine marginalisierende Wirkung und tragen den sozialen und politischen Kontext kolonialer Unterdrückung und Herrschaft in sich.[i]

 

[i] Samir Amin, L'eurocentrisme : critique d'une idéologie, Paris, Anthropos, coll. « Economies », 1988, 160 S.

Weiße Fragilität

bezeichnet das Unbehagen, das eine weiße Person empfindet, wenn sie Diskussionen über rassistische Ungleichheit und Ungerechtigkeit miterlebt.[i]

 

[i] DiAngelo, R. (2018) White Fragility: Why It's So Hard for White People to Talk About Racism, Beacon Press, 192 S.

Gaslighting

ist eine Form der psychologischen Manipulation, bei der das Opfer dazu geführt wird, an der Gültigkeit seiner Erfahrungen, Gefühle und Überzeugungen zu zweifeln.[i] Im Zusammenhang mit Rassismus zielt „rassistisches Gaslighting“ darauf ab, die Erfahrungen einer rassisierten Person zu entwerten oder in Frage zu stellen, auch wenn dies nicht beabsichtigt ist.[ii] Beispiele hierfür sind Kommentare wie: „Vielleicht übertreibst du ein bisschen“, „Du musst lernen, weniger empfindlich zu sein“ oder „Verstehst du keinen Spaß?“.

 

[i] American Psychological Association Dictionary of Psychology disponible à l’adresse suivante : https://dictionary.apa.org/gaslight

[ii] Ogorchukwu Iyamah, J. (2023) Racial Wellness. Penguin Random House.

Intersektionalität

bezieht sich darauf, wie verschiedene Formen der Diskriminierung – beispielsweise aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Behinderung und sozialer Schicht – untrennbar miteinander verbunden sind und dadurch spezifische Formen der Diskriminierung hervorbringen.[i]

 

[i] Crenshaw, K. (1989) Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine,

Feminist Theory and Antiracist Politics, University of Chicago Legal Forum: Vol. 1989: Iss. 1, Artikel 8. 

Mobbing (auf rassistischer Grundlage)

ist jedes Verhalten, das durch seine Wiederholung oder Systematik die Würde oder die psychische oder physische Integrität einer Person aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder Hautfarbe verletzt.[i]

 

[i] Code du Travail (Pdf) (Art. L. 251-1 und Chapitre VI. -Harcèlement moral)

Islamophobie

bezeichnet Vorurteile, Hass oder Angst gegenüber dem Islam oder Muslimen.

Sondermaßnahme, positive Maßnahme oder positive Aktion

bezeichnet eine spezifische Maßnahme, die darauf abzielt, Benachteiligungen aufgrund der Hautfarbe oder der ethnischen Herkunft zu verhindern oder auszugleichen. Diese Maßnahmen gelten nicht als Formen der rassistischen Diskriminierung. Im Kontext der Arbeit können sie Maßnahmen umfassen, die gesellschaftlich notwendig sind, um Beschäftigungsbarrieren für rassisierte Gruppen zu beseitigen. Diese Maßnahmen sind befristet und sollten nicht fortgesetzt werden, sobald die angestrebten Ziele erreicht sind.[i]

 

[i] Das Internationale Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (ICERD) (1965) ratifiziert von Luxemburg [Loi du 1er décembre 1977]  Artikel 1. Richtlinie 2000/43/EG Artikel 5, Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 14 von ECRI über die Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung in Beschäftigung und Beruf, verabschiedet am 22. Juni 2012, §7.

Rassistische Mikroaggressionen

sind kleine, alltägliche Verletzungen oder Kränkungen, wie beispielsweise Kommentare, Handlungen oder Situationen, die Menschen mit anderer Hautfarbe das Gefühl geben, aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit ungerecht behandelt zu werden. Sie können absichtlich oder unabsichtlich erfolgen, und den Personen, die sie begehen, ist möglicherweise gar nicht bewusst, dass sie dies tun, wenn sie mit Menschen anderer ethnischer Herkunft sprechen.[i]

 

[i] Sue, D. W. (2010). Microaggressions in everyday life: Race, gender, and sexual orientation. John Wiley & Sons.

Person, die einer rassisierten Gruppe angehört

Eine Person, die tatsächlich oder vermeintlich einer der Gruppen angehört, die einem Prozess der Rassisierung unterzogen wurden. Es ist anzumerken, dass „Rassen“ und sogenannte „rassische“ oder „ethnische“ Gruppen oft eine Kombination von Merkmalen sind: Man kann sie ansprechen oder vermuten, indem man sich beispielsweise auf eine muslimische oder jüdische Person (Religion), eine schwarze Person (Hautfarbe), eine arabische Person (Sprache) oder eine afrikanische oder asiatische Person (Kontinent) bezieht.[i]

 

[i] La Ligue des droits et libertés Canada. Disponible sur : https://liguedesdroits.ca/lexique/personne-racisee-ou-racialisee/

Menschen afrikanischer Abstammung oder afroamerikanischer Herkunft

sind die Nachkommen der afrikanischen Opfer des transatlantischen und mediterranen Sklavenhandels, einschließlich der Opfer des subsaharischen Sklavenhandels. Diese Gruppe umfasst hauptsächlich die Nachkommen transatlantischer Sklaven, die in der Diaspora in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik leben. Sie umfasst auch Afrikaner und ihre Nachkommen, die nach der Unabhängigkeit ihrer Länder nach Europa, Kanada und in den Nahen Osten ausgewandert sind oder dort Arbeit gesucht haben und dabei derselben rassistischen Diskriminierung ausgesetzt waren wie die Bewohner westeuropäischer Länder.[i]

 

[i] United Nations Working Group of Experts on People of African Descent Identification and definition of "people of African descent" and how racial discrimination against them is manifested in various regions : working paper / prepared by P.L. Kasanda, Chairperson of the Working Group of Experts on People of African Descent.

Weiße Menschen

stellen eine sozial konstruierte Identität dar, die in der Regel auf der Hautfarbe basiert.[i]

 

[i] Leonardo Z. (2009). Race, whiteness, and education. New York, NY: Routledge. S. 169.

Schwarze Menschen

sind Menschen, die sich als schwarz identifizieren, oft im Sinne einer Zugehörigkeit zur schwarzen Gemeinschaft. Häufig wird der Begriff „schwarz“ von den betroffenen Menschen bzw. Gemeinschaften als Symbol politischer Identität im Kampf für ihre Rechte verwendet.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) ECRI Glossary.

Weißes Privileg

ist der unausgesprochene Vorteil, den der Rassismus weißen Menschen (der dominanten Kultur) gegenüber Menschen anderer Hautfarbe verschafft. Der Begriff „Vorteil“ bezieht sich auf das Fehlen von Hindernissen aufgrund der Hautfarbe.[i] Ein Beispiel hierfür ist der Vorteil, nicht über die eigene Hautfarbe nachdenken zu müssen.

 

[i] McIntosh, P. (1988). White privilege and male privilege: A personal account of coming to see correspondences through work in women's studies. Working paper No. 189. Wellesley, Massachusetts: Wellesley Center for Research on Women & McIntosh, P. (1989) White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack. Peace & Freedom Magazine, S. 10–12 und Kendi, I. X. (2019) How to Be an Antiracist. One World.

Rasse

Alle Menschen gehören derselben Spezies an, und Theorien, die auf der Existenz verschiedener „Rassen“ beruhen, werden abgelehnt. Der Begriff wird jedoch verwendet, um Personen rechtlichen Schutz zu gewähren, die allgemein und zu Unrecht als Angehörige einer „anderen Rasse“ wahrgenommen werden und einem Prozess der Rassifizierung (auch Rassisierung oder Rassialisierung) unterzogen wurden.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 7 von ECRI über nationale Gesetzgebung zur Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung, verabschiedet am 13. Dezember 2002 und geändert am 7. Dezember 2017, Fußnote Nr. 1.

Rassifizierung (auch Rassisierung oder Rassialisierung)

ist der Prozess, bei dem Angehörige der dominanten Gruppe auf der Grundlage von Stereotypen bestimmte Merkmale und Eigenschaften, die angeblich allen Mitgliedern einer Gruppe innewohnen, mit dieser Gruppe in Verbindung bringen und so ein homogenes Bild dieser Gruppe als „das Andere“ schaffen.[i]

 

[i] Guillaumin, C. (1972) L'idéologie raciste. Genèse et langage actuel. Collection IDERIC, vol. 2, no 1,‎ 1972 et avis de la Commission européenne contre le racisme et l'intolérance (ECRI) sur le concept de “racisation” (adopté lors de la 87eme réunion plénière de l’ECRI, le 8 décembre 2021)

Rassismus

ist die Überzeugung, dass ein Merkmal wie die rassische oder ethnische Identität die Verachtung gegenüber einer Person oder einer Gruppe von Personen rechtfertigt oder das Gefühl der Überlegenheit einer Person oder einer Gruppe von Personen begründet.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 7 von ECRI über nationale Gesetzgebung zur Bekämpfung von Rassismus und Rassendiskriminierung, verabschiedet am 13. Dezember 2002 und geändert am 7. Dezember 2017  § 1.

Alltäglicher Rassismus

bezeichnet die Verankerung von Rassismus in alltäglichen Interaktionen durch (mentale und verhaltensbezogene) Praktiken, die die zugrunde liegenden Machtverhältnisse verstärken.[i]

 

[i] Essed, P. (1984) Alledaags Racisme [Everyday Racism]. Amsterdam: Sara (2nd edn. 1988, Baarn/den Haag: Ambo/Novib.); Essed, P. (1990a) Everyday Racism: Reports from Women in Two Cultures. Claremont, CA: Hunter House; et Essed, P. (1991) Understanding Everyday Racism: An Interdisciplinary Theory. Newbury Park, CA: Sage.

„Struktureller“, „institutioneller“ oder „systemischer“ Rassismus

ist das Ergebnis eines Systems, in dem staatliche Politik, institutionelle Praktiken, kulturelle Vorstellungen und andere Normen auf vielfältige Weise dazu beitragen, rassistische Ungleichheit aufrechtzuerhalten. Er stellt ein Merkmal der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Systeme dar, in denen wir alle leben, und manifestiert sich in Diskriminierungen oder in stark ausgeprägten Ungleichheiten (beispielsweise aufgrund der Hautfarbe). Er ist schwerer zu erkennen, da er sich eher durch seine Auswirkungen zeigt, während die Mechanismen, die diese Auswirkungen hervorrufen, diffus bleiben können. Einige Staaten haben explizit rassistische Bestimmungen in ihre Verfassung oder Gesetzgebung aufgenommen. Man spricht dann von staatlichem Rassismus. Beispiele hierfür sind das Apartheid-System, das bis 1991 in Südafrika herrschte, oder die sogenannten „Jim-Crow-Gesetze“ in den Südstaaten der USA.[i]

 

[i] European Network against Racism (ENAR) Internetseite „Structural Racism” und UNIA Belgien Internetseite „Rassismus”.

Der Begriff "Roma"

umfasst die Roma, die Sinti (Manouches), die Kalés (Zigeuner) und verwandte Bevölkerungsgruppen in Europa, darunter die Fahrenden und die östlichen Zweige (Doms, Loms); der Begriff umfasst die große Vielfalt der betroffenen Gruppen, einschließlich der Personen, die sich selbst als „Zigeuner“ bezeichnen, und derjenigen, die als Reisende bezeichnet werden.[i]

 

[i] Council of Europe High Level Meeting on Roma (Strasbourg, 20 October 2010) - “The Strasbourg Declaration on Roma” §1

Negative Stereotypen

entstehen, wenn man eine verallgemeinerte Vorstellung von vermeintlichen Merkmalen auf ein oder mehrere Mitglieder einer Personengruppe anwendet, wobei oft die gesamte Gruppe negativ betrachtet wird, ohne die individuellen Eigenschaften ihrer Mitglieder zu berücksichtigen.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 15 der ECRI über die Bekämpfung von Hassrede, verabschiedet am 8. Dezember 2015, § 7

Stigmatisierung

bedeutet, eine Gruppe von Menschen negativ zu kategorisieren.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 15 der ECRI über die Bekämpfung von Hassrede, verabschiedet am 8. Dezember 2015, § 7

Weiße Vorherrschaft

ist ein System, in dem Weiße die Macht und die Ressourcen innehaben, in dem Vorstellungen von Überlegenheit und Privilegien weit verbreitet sind und in dem sich die Strukturen weißer Dominanz täglich in verschiedenen Institutionen und sozialen Kontexten fortsetzen.[i]

 

[i] Ansley, F.L. (1989) Stirring the Ashes: Race Class and the Future of Civil Rights Scholarship, 74 Cornell L. Rev. 993, p. 1024 et Gillborn, D. (2006). Rethinking White supremacy: Who counts in ‘WhiteWorld.’ Ethnicities, 6(3), 318–340.

Rassistisches Trauma

ist die kumulative Auswirkung von Rassismus auf die psychische und physische Gesundheit einer Person.[i]

 

[i] Carter, R. (2009). "A Guide to the Forensic Assessment of Race-Based Traumatic Stress Reactions". Journal of the American Academy of Psychiatry and the Law. 37 (1): 28–40 et Ogorchukwu Iyamah, J. (2023) Racial Wellness. Penguin Random House.

Fremdenfeindlichkeit

ist jede Art von Vorurteil, Hass oder Angst gegenüber Menschen aus anderen Ländern oder Kulturen.[i]

 

[i] Council of Europe European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) Allgemeine Politik-Empfehlung Nr. 15 der ECRI über die Bekämpfung von Hassrede, verabschiedet am 8. Dezember 2015, § 7